Projektbeschreibung

Seit dem Januar 2017 realisieren die Beiteiligten die Pläne zur Anlage eines Schulgartens auf einer Fläche, die bis zu diesem Zeitpunkt zum Kugelstoßen und Weitsprung genutzt wurde und nun entsiegelt und begrünt werden soll. Im Zentrum der pädagogischen Arbeit steht vor allem der praxisorientierte Teil, in dem u.a. eigenes Gemüse, frisches Obst und verschiedene Kräuter angebaut und verwertet werden sollen. Dabei lernen die Schüler*innen das reichhaltige Angebot im nächstgelegenen Supermarkt zu hinterfragen und zu schätzen. 

Das Angebot richtet sich bisher an zwei verschiedene Zielgruppen in der Schülerschaft. Das ganze Schuljahr über wurde der Garten durch den Wahlprofilkurs des 10. Jahrgangs „Praktische Biologie“ betreut. Dort verbinden sie die Theorie der Biologie mit der Praxis im Garten. So beleuchtetet der Lehrer beispielsweise die Vorgänge der Kompostierung und anschließend setzt die Klasse selbst ein Kompostsilo auf. Oder die Schüler*innen beschäftigten sich mit dem Begriff der Bienenfreundlichkeit: Was macht eine Pflanze bzw. einen Garten bienenfreundlich und wie kann man dies im Schulgarten umsetzen? Gleichzeitig legen die Schüler*innen in diesem Kurs auch ihre Präsentationsprüfung des Mittleren Schulabschlusses ab. Dabei beschäftigten sie sich u.a. mit der Frage, wie die Schule Müll reduzieren kann und inwiefern der Garten dabei eine besondere Rolle einnimmt.

Die zweite Zielgruppe ist eine jahrgangsgemischte Projektgruppe (Jahrgänge 7 bis 12). Immer direkt vor den Sommerferien findet eine Projektwoche statt, in der größere Bauvorhaben umgesetzt werden (z.B. Bau einer Kräuterspirale, Anlage eines Kräuterrasens oder Aufbau eines Gerätehauses). In dieser Projektgruppe sind auch zahlreiche Willkommensschüler*innen aus Syrien oder Afghanistan vertreten, sodass die Arbeit im Garten auch einen großen Stellenwert fürs Kennenlernen und für den Ausstausch einnimmt.

Stand der Dinge

Seit dem Sommer 2018 wird im Schulgarten auch wirklich gearbeitet. So sind beispielsweise ein großer Totholzhaufen und eine Kräuterspirale mit Lavendel, Thymian, Salbei, Johanniskraut oder Zitronenmelisse uvm entstanden. Außerdem haben die Kinder Vogelhäuser bzw. Futterhäuser aufgestellt. In diesem Jahr wurde ein Kräuterrasen angelegt. Die besagten Schüler*innen aus dem 10. Jahrgang haben im Herbst des Vorjahres erste Sträucher gepflanzt, wobei das Augenmerk auf einer bienenfreundlichen Auswahl lag (z.B. Hundsrose, Weinrosen, Salweide, Silberweide, Johannisbeere oder eine Kornelkirsche). In einem Hochbeet wuchs das erste Gemüse (Radieschen, Gurken, Salate, Kohlrabi, Möhren) und die geernteten Maulbeeren und Johannisbeeren füllen inzwischen Marmeladengläser. Die Kräuter der Kräuterspirale geben verschiedenen Salzen die richtige Würze.

Der Wahlprofilkurs hat zudem das Fundament für ein Gewächshaus und ein Gerätehaus gelegt. Ebenso wurde ein Sitzhügel, der als grünes Klassenzimmer genutzt werden kann, vorbereitet. Auch auf dem Schulhof achtet die Schule auf bienenfreundliches Gärtnern, so schmückt diesen ein großes Staudenbeet mit Wildem Salbei, Wilder Malve und Disteln.

Unterstützung

Alexander Thiele ist Biologie- sowie Mathematiklehrer am Gottfried-Keller-Gymnasium und zugleich Schulprojektleiter von „Ab ins Beet – Schule nachhaltig gestalten“. Gemeinsam mit drei Kolleg*innen und über zwanzig Schüler*innen war er in den letzten Monaten im Schulgarten aktiv. Vereinzelt unterstützen auch externe Kräfte und die Elternschaft das Vorhaben. 
Die größte Unterstützung lieferte bisher der Förderverein der Schule. Außerdem konnte das Schulprojekt die Initiative „Grün macht Schule“ für seine Sache gewinnen. Dadurch wird ein Landschaftsgärtner mitfinanziert, der die fleißigen Gärtner bei der Projektumsetzung unterstützt. 
Auch einzelne Sachspenden, wie eine größere Spende von Gartengeräten der Firma Fiskars oder von Saatgut diverser Anbieter hat das Projekt bekommen.

Alexander Thiele - so geht's jetzt weiter

Alexander Thiele ist Biologie- und Mathematiklehrer am Gottfried-Keller-Gymnasium. Da er zudem auch Schulprojektleiter von „Ab ins Beet – Schule nachhaltig gestalten“ ist, verrät er uns, welche Pläne es für das Gartenprojekt gibt und wie die Auszeichnung durch die Initiative #beebetter dabei hilft.

Als einer der Gewinner in der Kategorie "Jugend und Bildung" erhalten Sie ein zweckgebundenes Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro und einen Bienenkoffer im Wert von über 700 €. Steht bereits fest, wofür das Preisgeld verwendet werden soll? 

Wir werden mit dem Preisgeld unser Schulgartenprojekt „Ab ins Beet – Schule nachhaltig gestalten“ fortsetzen. Wir werden dort die Maßnahmen zum Schutze der Wildbienen weiter intensivieren. Mit unserem Wahlprofilkurs „Praktische Biologie“ (Jahrgang 10) werden wir Nisthilfen bauen und benötigen dazu natürlich brauchbares Material (z.B. Bambus oder Schilf). Außerdem möchten wir unser Nahrungsangebot für die summenden Bewohner weiter ausbauen. Deshalb planen wir mit diesem Kurs die Diversität der Bienen auf unserem Schulgelände zu untersuchen. Dazu benötigen wir noch Fachliteratur, die wir nun auch finanzieren können. Nach Bestimmung der Arten können wir dann noch gezielter Pflanzen in unserem Garten unterbringen, die als Nahrungsgrundlage benötigt werden.

Haben Sie den Bienenkoffer bereits erhalten? 

Wir haben ihn erhalten. Der erste Einsatz wird dann beim besagten Wildbienenprojekt erfolgen. Der Koffer ist zwar für Grundschulen konzipiert, dennoch werden wir für Beobachtungen großen Nutzen ziehen und evtl. auch weitere Anregungen für unser Projekt finden.

Welche neuen Ideen, Vorhaben oder Pläne gibt es derzeit für Ihre Initiative?

Der Schulgarten soll mehrere Funktionen übernehmen: ein Ort des klassischen Gärtners, des Treffens, des Lernens, aber auch des Entspannens. Deshalb sind unsere Bauvorhaben auf verschiedene Richtungen ausgelegt. Mittel- bis langfristig möchten wir einen Teich anlegen und somit ein weiteres Element unserer ökologischen Arbeit in Angriff nehmen. Außerdem soll im neuen Schuljahr ein Grünes Klassenzimmer entstehen, was einem Amphitheater-ähnlichen Sitzhügel entspricht. Ziel ist auch dabei die Verbindung von Unterricht mit der Arbeit in der Natur. Wir möchten unsere Anbaufläche für Gemüse vergrößern bzw. weitere Hochbeete bauen. Dabei soll auch Platz für einen Blühstreifen (natürlich mit einheimischen, bienenfreundlichen Pflanzen) geschaffen werden. In diesem Rahmen werden sich die Schüler*innen des Kurses mit den Eigenschaften bienenfreundlicher Pflanzen beschäftigen und die Zusammensetzung dieses Streifens planen.

Was hat sich seit der Bewerbung bei #beebetter alles getan, was hat sich seither vielleicht verändert?

Wir haben im Sommer eine Wiese angelegt und in den vergangenen Wochen weitere Sträucher gepflanzt: z.B. Weiden und Himbeersträucher. In den letzten Tagen haben wir die Zwiebeln einiger Frühblüher (z.B. Traubenhyazinthe, Narzissen und Tulpen) in die Erde gebracht, um auch wieder im neuen Jahr ein frühzeitiges Nahrungsangebot zu schaffen.
Wir haben mit unseren Schülerinnen und Schülern im Laufe des Sommers außerdem das erste Gemüse (Radieschen, Gurken, Möhren, Kohlrabi) geerntet und gemeinsam – selbstverständlich direkt im Garten – verköstigt. Außerdem haben wir gemeinsam Produkte aus dem Garten hergestellt (z.B. Marmeladen oder Kräutersalze).

Konnten Sie weitere Mitstreiter für Ihre Sache und für den Bienenschutz gewinnen?

Neben den 22 Schüler*innen aus dem Wahlprofilkurs, engagieren sich mittlerweile eine gute Handvoll Kolleginnen und Kollegen im Schulgarten. Außerdem wird die Unterstützung aus der Elternschaft immer größer: Pflanzen werden gesponsert oder Gartengeräte bereitgestellt. Im Gegenzug erfreuen sich die Eltern über unsere Führungen in den Garten und dessen Entwicklung. Die Schüler*innen freuen sich, wenn sie im Freien arbeiten können. Der Stolz über ihre Teilprojekte ist deutlich erkennbar. So schauen Schülerinnen, die bereits vor mehr als einem Jahr am Bau der Kräuterspirale beteiligt waren, regelmäßig in den Garten und erfreuen sich über die Blüten, Bienen und Düfte „ihres“ Kräutergartens.

Wie haben die Menschen aus Ihrem Umfeld auf den #beebetter-Award reagiert? 

Wir haben in diesem Jahr an mehreren Wettbewerben teilgenommen. Es war das erste Gartenjahr, das wir komplett zur Verfügung hatten. Wir haben große Erfolge gefeiert. Das Mitfiebern der Schüler- und Elternschaft sowie des Kollegiums war täglich zu spüren: im Lehrerzimmer, auf den Gängen oder auch in Mails. Wir versuchen daher unsere Erfolge und unser Projekt auch recht regelmäßig auf unserer Schulhomepage zu präsentieren, um alle Unterstützer*innen auf dem Laufenden zu halten.
Aus Gesprächen mit Mitgliedern aus allen Bereichen der Schulgemeinschaft lässt sich erkennen, dass die Teilnahme – und natürlich auch die Auszeichnungen – für die Stärkung des Zusammenhalts eine große Rolle einnimmt. Außerdem präsentieren wir unsere Erfolge auch stolz an einer Tafel im Schulgebäude.

Konnten Sie durch #beebetter neue Kontakte mit anderen Bienenhelfern knüpfen?

Wir präsentieren unsere Arbeit im Schulgarten auch auf Instagram (Ab_ins_Beet). Dadurch entstehen regelmäßig Kontakte. Dabei erhalten wir mittlerweile Anfragen, in denen wir um Rat gefragt werden, wenn z.B. der Aufbau eines solchen Projekts an anderen Schulen thematisiert wird. Außerdem haben wir die Aufmerksamkeit des Berliner Abgeordnetenhauses auf uns gezogen. Eine Abgeordnete konnten wir beispielsweise schon bei uns persönlich empfangen.

Was erhoffen Sie sich für Ihr Schulprojekt und für den Bienenschutz in der Zukunft?

Unser Projekt steckt eigentlich noch in den Kinderschuhen. Die schnellen, aktuellen Erfolge haben uns alle überrascht und natürlich auch zu neuen Taten motiviert. Bezogen auf das Wildbienenprojekt bleibt die Sensibilisierung für das Thema natürlich im Mittelpunkt. Unseren Bildungsauftrag werden wir durch die Verbindung von Theorie und Praxis hoffentlich auch weiter vertiefen können. Aber die größte Hoffnung ist es, auch weiterhin motivierte Schüler*innen zu finden. Denn die Arbeit im Freien zeigt eine ganz andere Seite, die bei mancher Schülerin oder manchem Schüler im „normalen“ Unterrichtsalltag nicht unbedingt zur Geltung kommt. Gleiches gilt wahrscheinlich auch für die beteiligten Lehrkräfte, denn unsere Schüler*innen sehen uns ja auch selten im „Blaumann“ oder mit Erde an den Händen.

Die Öffnung unserer Schule zum Kiez steht auch noch auf unserer Zukunftsagenda. Vielleicht kann man auch Anwohner*innen als Experten für die Arbeit bei unserem Projekt finden und neue Impulse bekommen – oder so auch außerhalb der Schulgemeinschaft für dieses Thema sensibilisieren. Als erster Schritt wird dabei wohl das Mitwirken an der Initiative „Nachhaltige Mierendorffinsel“ sein. Gleichzeitig gilt es, unserem Förderverein zu danken, der den Anschub fast vollständig finanziert hat – trotz aller Rückschläge, die es in der Anfangszeit gab. Aber wie dieses Jahr gezeigt hat: es hat sich gelohnt!

Weitere Infos

Ab ins Beet

Weiter Informationen und Impressionen vom Garten-Projekt "Ab ins Beet - Schule nachhaltig gestalten" finden Sie auf der Homepage des Gottfried-Keller-Gymnasiums. 

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