Projektbeschreibung

Die Einrichtung wird von 70 Kindergartenkindern, davon 16 Krippenkindern im Alter von 1-6 Jahren besucht, die in vier altersgemischten, familienähnlichen Gruppen betreut werden. Viele Spiel- und Klettergeräte hatten nach jahrelanger Nutzung ausgedient und das Team stellte sich die Frage: „Was brauchen Kinder heute, um sich gesund entwickeln zu können?“ Unsere Lebenswelt ist funktional getrennt und auf die Erwachsenen zugeschnitten. Kinder haben nur selten die Möglichkeit, ihren Bedürfnissen nach Bewegung, Abenteuer, Geselligkeit oder auch nach Alleinsein nachzugehen. Vorgefertigte Spielplätze bieten kaum Erlebnisräume und sind bald „ausgespielt“. Zudem sind Kinder bereits der zunehmenden reiz- und medienüberfluteten Umwelt ausgeliefert. Aus diesen Gründen entschied das Erzieherteam, die Natur in den Garten zu holen. Vor drei Jahren begann die Umgestaltung des ca. 4600 Quadratmeter großen Außengeländes in einen naturnahen Garten.

Durch die Umgestaltung in einen Naturgarten wird das Außengelände zu einem naturnahen und nachhaltigen Bildungsraum für Klein und Groß. In einem naturnahen Garten empfinden die Kinder das Gefühl von Freiheit und Abenteuerlust. Durch die Vielfalt an Farben, Formen und Naturmaterialien erleben die Kinder die Schönheit der Natur ganzheitlich. Es gibt z.B. kleine Tiere zu sehen, Pflanzen zu riechen und zu schmecken, Vogelstimmen zu hören und Erde zu fühlen. Dieses Beobachten, Betrachten, Sammeln und Ausprobieren bringt Naturerfahrungen mit sich, die das Umweltbewusstsein prägen und einen späteren verantwortungsvollen Umgang mit ihr ermöglichen.

Gleichzeitig will dieses Projekt einen Lebensraum vor allem für bedrohte Vogel- und Insektenarten schaffen. Unser Garten vereint in einzigartiger Weise Lebensräume für Wildbienen mit Spielmöglichkeiten für unsere Kinder. So finden sich in unserem Außengelände verschiedene Lebensräume für Wildbienen in Form von Benjeshecken, Steinhaufen, Insektenhotels sowie Ecken mit Totholz und Feuchtgebieten mit Miniteich. Somit wird unser Außengelände gleichzeitig Lern-, Lebens und Spielort. Für die Begrünung des Gartens wurden ausschließlich einheimische Wildpflanzen, -Sträucher, Bäume und Saaten verwendet. Durch die Kombination von einjährigen und mehrjährigen Blühpflanzen, Bäumen und Sträuchern haben wir ein reichhaltiges Angebot an pollen- und nektarspendenden Pflanzen geschaffen. Hier bekommen Insekten einen Lebensraum in der Nähe der Kinder und ein großes Pflanzen Büfett das ganze Jahr über.

In unserem Garten wollen wir schon mit unseren Kleinsten das Zusammenleben von Menschen und Insekten fördern. Unsere Kinder sollen spielerisch lernen, Insekten zu respektieren und Angst vor diesen ablegen. Während eines Familientages im Juni dieses Jahres konnten wir schon eine Menge Wildbienen in unserem Außengelände entdecken und bestimmen. So fanden wir u.a. verschiedene Hummelarten, Schmetterlinge und Mauerbienen.

Stand der Dinge

Neben den Insekten sollen sich auch unsere heimischen Vogelarten bei uns wohl fühlen. Ihre Ansiedlung unterstützen wir mit der Anbringung von diversen Nistkästen. Genauso nachhaltig sind die angelegten Totholzecken und die als Begrenzungen eingesetzten Benjeshecken, die ebenfalls zahlreichen Kleintieren Unterschlupf bieten.

Für die Hangrutsche wurden alte Förderbänder wiederverwendet und die Spielelemente sind aus unbehandeltem Robinienholz gefertigt. Durch Spendenmitteln und mit tatkräftiger Unterstützung der Eltern konnte das Team 2018 unter Anleitung einer Gestalterin für Naturgärten den hinteren Teil des Gartens in mehreren Arbeitseinsätzen modellieren und bepflanzen. Es entstanden Räume zum Verstecken, Bauen und Graben, sowie zum Naschen, außerdem Schaukeln und ein Lagerfeuerplatz. Verschiedenste Wildblumen locken bereits zahlreiche Insekten an. Mitte Mai 2019 haben die Bauarbeiten im vorderen Teil des Außengeländes begonnen, hier wird das „Erzgebirge“ entstehen.

Zuletzt haben wurden die Rückzugsorte für Wildbienen und andere Insekten zum Überwintern erneuert und die Benjeshecken mit neuem Astwerk sowie Blättern versehen. Ein Großteil der verblühten Pflanzenhügel bleibt im Winter als Rückzugort stehen. Ein Käferbeet mit Ästen, Zweigen und Totholz bietet Unterschlupf für Kleinstlebewesen. Dieser Bereich wird von den Kindern nicht bespielt. Dadurch lernen sie zugleich die Achtung vor Tieren und deren Lebensraum. 

Nachahmung erwünscht

Damit andere Einrichtungen Ideen und Anregungen für die Planung und Umsetzung eines naturnahen Gartens sammeln können, bietet der Kindergarten St. Marien als Konsultationseinrichtung einen praxisorientierten Fachaustausch zum Thema: Bildungsraum – naturnaher Garten. Interessierte haben ab September 2019 die Möglichkeit, das Außengelände mit dem veränderten hinteren Bereich zu erkunden, aber auch zu sehen, wie die Umgestaltung weitergeführt wird.

Weitere Auszeichnungen

In der Projektplanung wurde mit den Kindern eine Umfrage durchgeführt, was und mit welchen Dingen sie am liebsten im Garten spielen. Daraufhin erstellte das Team gemeinsam mit einem Planer für naturnahe Spiellandschaften ein Modell des geplanten Außengeländes, welches im Anschluss dem Elternbeirat und dem Förderverein vorgestellt wurde. Im Rahmen eines Informationselternabends brachten die Eltern ihre Ideen und Vorschläge mit ein.
Mit diesem Projekt nahm die Einrichtung von Mai 2017 bis Oktober 2018 am 5. Sächsischen Kinder-Garten-Wettbewerb teil und wurde aus 47 Bewerbern zu einem von drei Landessiegern gewählt. Außerdem erhielt der Kindergarten einen Nachhaltigkeitspreis, der erstmalig verliehen wurde.

So geht's weiter

Evelyn Glöß und Silvia Blume vom Kindergarten St. Marien stehen uns Rede und Antwort und erzählen, was für den Naturgarten in Zukunft noch alles geplant ist.

Als einer der Gewinner in der Kategorie "Jugend und Bildung" erhält der Kindergarten ein zweckgebundenes Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro und einen Bienenkoffer im Wert von über 700 €. Steht bereits fest, wofür das Preisgeld verwendet werden soll? 

Das Preisgeld möchten wir für die Pflanzen und Wildblumensamen nutzen, die wir im vorderen Bereich unseres Naturgartens auf die „Erzgebirgs“-Hügel einarbeiten konnten.

Wie kommt der Bienenkoffer bei den Kindern an?

Der Bienenkoffer enthält viele interessante und wertvolle Materialien. Besonders die Anschauungsstücke bieten tolle Möglichkeiten, den Kindern Wissenswertes über Bienen zu verdeutlichen.
Im Rahmen des Sommerthemas „… Bienen …“ im nächsten Jahr werden wir gemeinsam mit den Kindern den Inhalt des Bienenkoffers erkunden und wir freuen uns schon darauf, ihn dann ausgiebig nutzen zu können. Die Kinder werden mit Sicherheit begeistert sein, vor allem von der Imkerschutzkleidung und dem Bienenschaukasten.

Welche Projekte und Ideen sollen als nächstes umgesetzt werden?

Im kommenden Frühjahr geht es an die Pflege und Erhaltung der bisherigen Wildblumenhügel. Bei gemeinsamen Arbeitseinsätzen mit Eltern, Kindern und den Mitarbeitern werden vertrocknete Pflanzen zurückgeschnitten und Unkraut entfernt. Außerdem möchten wir weitere Blumenoasen für Insekten schaffen. Seit längerer Zeit haben wir außerdem die Idee in einem hohlen Baumstamm ein Bienenvolk einzusetzen. Der aufrechtstehende Baumstamm sollte so groß sein, dass durch eine Öffnung am Boden Kinder hineinschlüpfen können, damit sie den Bienen bei ihrer Arbeit zuhören können. Dies würde den Kindern ein intensives Naturerlebnis ermöglichen, bei dem sie eventuelle Ängste vor Bienen relativieren und Respekt gegenüber diesen Tieren entwickeln könnten. Natürlich werden unterhalb des Bienenstocks ein Schutzgitter und die Einflugöffnung entgegengesetzt von dem Zugang für die Kinder angebracht. Bei der Umsetzung dieses Vorhabens würde uns ein Vati, der Imker ist, behilflich sein. Wir sind gespannt, ob wir diesen Plan im nächsten Jahr verwirklichen können.

Wie haben die Menschen aus Ihrem Umfeld auf die #beebetter-Auszeichnung reagiert?

Nach der Bekanntgabe der Prämierung unserer Einrichtung veröffentlichten wir die Urkunde mit einem Aushang, worauf die Eltern mit großer Freude und vor allem Neugier reagierten. Viele fragten nach und wollten über nähere Informationen die Initiative #beebetter.
Kurz nach der Prämierung erreichten uns auch Anfragen von Radio und Fernsehen. MDR Sachsen möchte im nächsten Jahr über unseren Naturgarten berichten, wenn alles blüht, grünt und summt.

Was hat sich seit Ihrer Bewerbung bei #beebetter alles getan?

In diesem Jahr erfolgte durch eine Baufirma die Aufschüttung unseres „Erzgebirges“. Dafür wurden zwei Hügelketten errichtet, die mit einer Brücke verbunden sind und in deren Innenbereich eine Felskletterwand und die Palisadensprunggrube integriert wurden. Eine acht Meter lange Röhre erinnert an einen Bergwerksstollen und auch der Kettenaufzug als Förderanlage greift das Thema des für das Erzgebirge typischen Bergbaus auf. In mehreren Arbeitseinsätzen mit Eltern, Kindern und Mitarbeitern wurden die Hügel bepflanzt, der Sandbereich und ein Feuchtbiotop angelegt, Sträucher und Bäume in die Erde gebracht und Wildblumen ausgesät.
Im September dieses Jahres konnten wir dann den vorderen Bereich unseres Spiel- und Erlebnisraums eröffnen. Gemeinsam mit Kindern, Eltern, Nachbarn und allen Unterstützern feierten wir diesen Meilenstein. In Gesprächen brachten Eltern und Nachbarn ihre Begeisterung über die Möglichkeiten der Kinder zum vielseitigen Spiel, aber auch über das Engagement für die Wildbienen und anderen Insekten zum Ausdruck. Viele überlegten, sich im eigenen Garten „wilde Ecken“ als Lebensräume für Insekten anzulegen. 

Haben Sie die #beebetter-Auszeichnung im kleinen Rahmen ordentlich gefeiert?

Natürlich haben wir im Team die Auszeichnung mit großer Freude gefeiert. Wir informierten nicht ohne Stolz sogleich den Förderverein und Elternbeirat, die uns herzlich beglückwünschten.

Was erhoffen Sie sich für Ihr Kindergartenprojekt und für den Bienenschutz in der Zukunft?

Gespannt sind wir, wie sich unser Garten in ein paar Jahren verändert haben wird, wenn Sträucher und Pflanzen groß bzw. dicht gewachsen sind. Und wir wünschen uns, dass er zu einer Oase für Kinder und deren Familien sein wird. Hier dürfen sie ganzheitliche Erfahrungen machen, Herausforderungen meistern, forschen, entdecken und beobachten und nicht zuletzt ihren Bewegungsdrang ausleben.
Gern möchten wir gemeinsam mit den Kindern auch im nächsten Jahr auf Entdeckungstour gehen und herausfinden, was in unserem Garten alles krabbelt, summt und brummt. So lernen nicht nur die Kleinen, auch das Team erfährt immer wieder Neues und Interessantes. Wir sind sicher, dass die Natur in unserem Garten mit all ihren Pflanzen, Blumen und Lebewesen die Kinder für ein Umweltbewusstsein sensibilisieren und einen respektvollen Umgang mit ihr einüben wird. 
Einige Bereiche, wie der Matschbereich und die Förderanlage, konnten bisher noch nicht umgesetzt werden, doch wir hoffen, diese in naher Zukunft realisieren zu können.
Ganz besonders würden wir uns freuen, wenn unser naturnaher Spiel- und Erlebnisraum für andere Menschen Anregung sein könnte, sich selbst für den Bienenschutz einzusetzen. Sie könnten beispielsweise bienenfreundliche Pflanzen im eigenen Garten oder Balkon pflanzen, Honig direkt beim Imker kaufen oder ein Insektenhotel bauen.
Auf alle Fälle sollten immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig Bienenschutz und Artenvielfalt sind und genau das möchten wir schon den Allerkleinsten bewusst machen.

Weitere Infos

Evangelischer Kindergarten St. Marien

Den evangelischen Kindergarten St. Marien im sächsischen Marienberg gibt es schon seit 1992, er befindet sich am Rande der Stadt Marienberg in ruhiger Lage. An das Gebäude schließt sich eine große Grünfläche von ca. 5000 qm an. Weitere Informationen und Impressionen finden Sie auf der neuen Seite des Kindergartens.

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