Kurz & knackig

„Beim Projekt 'Bad Honnef summt!' engagiert sich unsere Schule seit mehreren Jahren auf verschiedenen Ebenen. Ein Bestreben der Initiative ist es, geeignete Lebensräume für Wildbienen und Insekten zurückzugewinnen oder neu zu entwickeln“, sagt Dirk Krämer, Lehrer für Physik und Mathematik und Ansprechpartner des Projekts. Zugleich wolle man die Bevölkerung für das Thema Bienensterben sensibilisieren und über die Ursachen des Artensterbens informieren. Dafür haben die Bienenschützer von Schloss Hagerhof bereits verschiedene Projekte und Aktionen auf die Beine gestellt. So entsteht derzeit zum Beispiel ein Bienenlehrpfad mit insgesamt zwölf Stationen im Stadtgebiet von Bad Honnef, an denen Lehrtafeln über den Lebensraum der Umgebung informieren. Auch die Pflege einer Streuobstwiese, die Anlage von Wildblumenwiesen und die Herstellung von Nisthilfen gehen die Schülerinnen und Schüler mit vollem Eifer an. „Die Arbeit des Netzwerks kommt bei den Einwohnern gut an und hat im Stadtgebiet bereits Wirkung gezeigt“, erzählt Dirk Krämer erfreut.

Beweggründe

Am Anfang stand die Idee einer eigenen Streuobstwiese: Mit der Anpflanzung von alten Hoch- und Halbstammbäumen auf der schuleigenen Wiese wollten die Schülerinnen und Schüler von Schloss Hagerhof einen Beitrag zum Schutz dieser wertvolle Biotope leisten. „Außerdem soll die genetische Vielfalt alter Kultursorten erhalten bleiben, die teilweise jahrhundertelang an den Hängen des Siebengebirges angebaut wurden, inzwischen aber kaum noch zu finden sind“, so der Lehrer. „Natürlich wollen wir den Obstbauern der Region keine Konkurrenz machen. Das Ziel ist vielmehr, ein ökologisch und kulturhistorisch wertvolles Areal zu schaffen, das nebenbei auch noch verwertbare Äpfel abwirft.“ Daher kamen für die Pflanzung nur alte, lokale Hoch- und Halbstammsorten in Frage, die sich mit einer Lebensdauer von bis zu 100 Jahren zu beständigen Landschaftselementen entwickeln sollen. Zur Grundidee, sich für den Erhalt der Artenvielfalt stark zu machen, kam vor drei Jahren das Thema Wildbienen hinzu – angefangen mit der Umgestaltung auf dem Schulgelände. Bald folgte der Eintritt in das lokale Netzwerk 'Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit', bei dem sich verschiedene Akteure aus der Umgebung einbringen. Daraus entwickelte sich bald das Gemeinschaftsprojekt 'Bad Honnef summt!' mit dem Bestreben in der gesamten Gemeinde zahlreiche Areale für Wildbienen sowie andere Insekten anzulegen und Aufklärung zu betreiben.

„Bad Honnef summt Warenkorb“ am Projekttag #tatenfuermorgen

Beschreibung

„Das Projekt wird an der Schule durch die Schüler und Schülerinnen der Unterrichtsfächer im Ganztag ‚Wald‘, Umwelt‘ und ‚Garten‘ getragen, die sich übergreifend aus den Klassen 5 und 6 bzw. 7 und 8 zusammensetzen. Dabei werden Real- und Gymnasialschüler gemischt“, erläutert Dirk Krämer. „Zusätzlich übernahm der Technikkurs der Klasse 9 der Realschule die Aufgabe, die Ständerwerke zu den Insektenhotels zu planen, zimmern und mittels Schnellbeton zu verankern.“ Von den Lehrkräften werden die Klassen bei dem Projekt unter anderem durch Nils Christians, Astrid Nieswand, Martin Lehnert und Dirk Krämer betreut.

Luftaufnahme von Schloss Hagerhof im nordrhein-westfälischen Bad Honnef

Streuobstwiese & Schulgarten

Schloss Hagerhof besitzt eine eigene, von den Schülern angelegte Streuobstwiese mit einer Fläche von etwa 2600 m² und derzeit 15 Jungbäumen. Darüber hinaus gibt es eine kleinere Wiese mit etwa 650 m², auf der fünf ältere Bäume stehen.

Zu den besonderen Apfelsorten, die auf Streuobstwiese am Schloss heranreifen, gehören Roter Berlepsch, Eifeler Rambur, Graue Herbstrenette, Jakob Lebel, Kaiser Wilhelm, Rheinischer Krummstiel und viele mehr.Die Pflege der Streuobstwiese und die Ernte findet im Rahmen des Ganztagsunterrichts statt. Die Bäume werden nicht gespritzt, stattdessen werden regelmäßig Verstecke für Ohrenkneifer und andere Nützlinge in die Kronen gehängt, die auf schonende Weise gegen Schädlinge wirken sollen. Auch auf dem benachbarten Reiterhof helfen die Jungen und Mädchen von Schloss Hagerhof dabei, den alten Obstbaumbestand zu erhalten. Die geernteten Äpfel werden gemeinschaftlich verwertet und zu Apfelmus, Apfelringen, Apfelkuchen oder frischem Apfelsaft verarbeitet, der beispielsweise bei Schulfesten verkauft wird.

„Apfelsaft für Wildbienen Hagerhof“  am Tag der offenen Tür auf der Streuobstwiese

 

Damit Bienen und andere Insekten auch nach der Obstblüte reichlich Nahrung finden, hat man bei der Bepflanzung im Schulgarten unter anderem nektar- und pollenreiche Stauden ausgesät oder gepflanzt. Am Rand der Beete kommen zudem Fenchel, Disteln sowie Knautien aus eigener Ansaat zur Blüte und in den Gartenecken dürfen sich Brennnesseln ausbreiten, die für Schmetterlingsraupen als Kinderstube dienen.

Wildblumenwiese am Wasserwerk

Auch am Wasserhochbehälter des städtischen Wasserversorgers summt und brummt es in der warmen Jahreszeit dank der Initiative „Bad Honnef summt!“ kräftig. „Dort haben die Schüler und Schülerinnen ein großes Bienenhotel errichtet, während der Rasen in eine Blühwiese umgewandelt wurde“, erzählt Dirk Krämer. Auf einer Fläche von rund 500 m² ist eine Wildblumenwiese mit ein- und mehrjährigen, heimischen Stauden entstanden, die Lebensraum und Nahrungsangebot zugleich ist. Zum Pflanzenangebot zählen Flockenblumen, Knautien, Malven, Königskerzen, Schafgarbe, Karde und vieles mehr. Nachdem Wildschweine einige Stellen aufgewühlt hatten, hat man darauf sogleich Kamille, Mohn, Kornblume und Kornrade ausgesät. Sämtliche Samen und Setzlinge, die dafür verwendet wurden, stammen aus der Züchtung der Drachenfelsschule Königswinter, die ebenfalls an dem Artenschutzprojekt beteiligt ist.

Nisthilfen & Lebensraum

Zusammen mit ihren Lehrern stellen die Kinder und Jugendlichen an Aktionstagen, oder während der Unterrichtszeit unterschiedliche Nisthilfen für verschiedene Wildbienenarten her. So entstanden in Gemeinschaftsarbeit beispielsweise Kinderstuben aus Ton, aus zugesägten Bambusröhrchen und Fenchelstängel, aus eingerollten Schilfmatten oder aus Hartholzscheiben, die mit unterschiedlich großen Bohrlöchern versehen wurden. Auch ein spezieller Hummelnistkasten ist im Werkunterricht entstanden. Morsches Holz dient als Nistgrundlage für Holzbienen und andere Arten, die sich selbst eine Wohnhöhle nagen können. Für Arten wie Stängel-Mauerbienen, die nur senkrecht stehende, markhaltige Stängel annehmen, hat man Brombeerruten hochkant montiert. Auf dem begrünten Dach liegen außerdem leere Schneckenhäuser, die seltenen Wildbienen, wie der Zweifarbigen Schneckenhausbiene, als Kinderstube dienen sollen. Eine Nisthilfe ist als aufklappbares Kistchen mit Glasröhrchen angelegt, das einen Blick in die Brutzellen samt mit Pollenvorrat und den Larven bzw. Puppen darin ermöglicht. Eine Seitenwand des Bienenhotels besteht aus hart gewordenem, sandigem Lehm, das den Wildbienen als Baumaterial zur Verfügung steht. Verschiedene Pelzbienen graben sich darin erfreulicherweise sogar ihre Wohnhöhlen.

Theorie & Praxis - Dirk Krämer erläutert eine Station des Bienenwegs, bevor es an die Arbeit geht

Weitere Pläne & Ziele

„Für den Bienenweg sind insgesamt zwölf Stationen geplant, von denen inzwischen bereits einige fertig sind. Eine Station befasst sich zum Beispiel mit dem Thema „Streuobstwiesen & Insekten“ und befindet sich auf der Schulwiese“, so Dirk Krämer.Durch die anhaltende Trockenheit in den letzten beiden Sommern haben vor allem die jungen Bäume sehr gelitten, sodass einige neue Bäume gesetzt werden müssen. Auf dem gleichen Areal sollen zudem einheimische Blüh- und Beerensträucher gepflanzt werden, von denen die Insektenwelt, aber auch die Vögel profitieren. In Ergänzung zu den Informationstafeln werden zur Zeit QR-Code-Schilder vorbereitet, die auf eine Homepage verweisen, auf der interessierte Besucher weiteres Hintergrundwissen und Praxistipps finden.

Die Freude über die Auszeichnung ist groß, als Dirk Krämer und eine Gruppe der engagierten Bienenhelfer #beebetter-Award stellvertretend für die Schülerschaft und das Kollegium entgegennehmen 

Unser Tipp

Weitere Infos

Die Schule berichtet auf ihrer Homepage regelmäßig über den Fortgang des Projekts. Außerdem findet man den Hagerhof in den Sozialen Medien

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