Kurz & knackig

Das Projekt „Gemeinsam zum Artenschutz“ von Bernd Pieper dürfte in Emsland und Ostfriesland seines gleichen suchen. Auf ca. 100.000 m² seiner eigenen Flächen baut der Landwirt im Nebenerwerb seit zwei Jahren Blühflächen an. Auf weiteren 25.000 m² sät er unentgeltlich Saatgut für Privatpersonen aus, die ihn darauf angesprochen haben und das Projekt unterstützen möchten. Auch ein freiliegendes Grundstück in einem Gewerbegebiet hat der engagierte Unternehmer auf eigene Kosten in eine blühende Wiese verwandelt. Dieser große Bestand bleibt bis mindestens Ende 2023 bestehen und bietet Wild- und Honigbienen sowie vielen weiteren Wildtieren Lebensraum und Nahrung.

Seit letztem Jahr bietet Bernd Pieper zudem Blumenpatenschaften an und konnte bereits 25 Personen dafür gewinnen. Die Paten informiert er laufend mittels einer WhatsApp-Gruppe über aktuelle Entwicklungen. Zudem organisiert er einmal jährlich ein Treffen an seiner Blühfläche, um über sein Projekt zu informieren. Die Teilnehmer erhalten ein Zertifikat, kostenloses Saatgut und ein Glas Honig.

Beweggründe

„Mein Antrieb ist das Insektensterben und die daraus resultierenden Folgen“, sagt Bernd Pieper. 2018 hat er die erste Blühfläche angesät und staunte über die unmittelbaren Folgen: Die Tierwelt hat die Blühwiese sofort für sich beansprucht, überall wimmelte es von Bienen und Insekten, von Vögeln jeder Art – von Fasanen bis Meisen. Auch Hasen und Rehe tauchten plötzlich auf. „Wenn man über diese Fläche sah, flatterten unzählige Schmetterlinge in der Luft herum. Das letzte Mal, hatte ich sowas als Kind gesehen und es schon fast vergessen. Das war das Emotionalste für mich und der Moment, in dem ich mich beschlossen habe, mehr von diesen wundervollen Flächen zu schaffen“, erzählt der Landwirt. „Wir hatten auch immer Schwalben bei uns auf dem Hof, diese waren für Jahre verschwunden, allmählich kommen sie wieder zurück und das macht mich doch sehr glücklich."

Für Bernd Pieper überwiegt die Freude den Aufwand, er meint dazu: „Es ist viel Arbeit, die mir aber auch viel Freude bereitet. Es kostet mich natürlich auch viel Geld, ich habe in den letzten Jahren allein den Maschinenpark einiges investiert, um diese Flächen anzulegen. Hinzu kommen Pachtzahlungen und Saatgut für die Flächen. Ach, wissen Sie was? Es sind für mich keine Bemühungen, ich erfreue mich einfach daran.“

 

Beschreibung des Projekts

„Unsere Hoffläche beträgt etwa 10.000 m², mit unterschiedlichen Apfel- und Kirschbäumen, etlichen Sträuchern, Kräutern und Blumen ist alles so, wie man es auf einem Bauernhof kennt“, so Bernd Pieper. 
Das Saatgut für die Blühflächen kommt aus dem Agrarfachhandel, vor der Aussaat werden die mehrjährigen Arten und die verschiedenen Sorten individuell gemischt, damit der Bewuchs zu den Flächen passt. So erblühen auf den Wildblumenwiesen zum Beispiel Alexandrinerklee, Sonnenblumen, Phacelia, Buchweizen, Senf, Weißer Steinklee und vieles mehr. 

„Ich verzichte auf den Blühflächen komplett auf Pflanzenschutzmittel und jegliche Art von synthetischen oder chemischen Düngemitteln. Sie werden im Wechsel alle zwei Jahre neu angelegt, das heißt der alte Bewuchs wird in den Boden eingearbeitet und dient als Dünger, alles rein biologisch.“ Außerdem werden die Blühflächen alle zwei Jahre zur Hälfte im Wechsel neu angesät, das heißt, dass die sie während der zwei Jahresphasen durchgehend unberührt bleiben. Somit finden Tiere auch im Winter Nahrung, Schutz und Ruhe. Im Frühjahr erblüht die eine Hälfte zum einen sehr früh durch Selbstaussaat, zum anderen kommen im Sommer und Spätsommer die neuen Flächen zum Blühen. Dadurch steht den Wildtieren, sowohl auf dem Boden als auch in der Luft, über einen langen Zeitraum immer etwas zur Verfügung.

An den Feldrändern wächst eine Vielzahl an bienenfreundlichen Sträuchern und trockenes Totholz liegt an sämtlichen Flächen, die Bernd Pieper bearbeitet, für Tiere bereit. Die Blühflächen befinden sich alle in der Nähe von Gewässern bzw. sind umgeben von Wasserstellen oder Feuchtbiotopen. Auch bewuchsfreie Sandflächen von ca. 10.000 m² sind angelegt. "Neben einer Blühwiese befindet sich ein großes Insektenhotel, das von der Nachbarsfamilie Evering liebevoll errichtet wurde. Es ist schön zu sehen, dass Leute etwas zum Projekt und zum Artenschutz beitragen, ohne aufgefordert zu werden. Es steckt also doch an mitzumachen", sagt Bernd Pieper erfreut.

 

Bernd Pieper wurde für sein Engagement als bienenfreundlicher Landwirt 2020 ausgezeichnet

„Dieses Jahr wurde ich ausgezeichnet zum bienenfreundlichen Landwirt 2020, was mich doch ein wenig stolz macht“, sagt der Bienenhelfer. Nun bekommt er für sein Engagement nun auch noch den #beebetter-Award, mehr Aufmerksamkeit und weitere Unterstützung. Das Projekt gibt es seit 2018, angefangen hat Bernd Pieper mit 15.000 m², jetzt ist es fast das Zehnfache. Um die Bearbeitung der Flächen kümmert er sich allein. Sein Vater Bernhard und sein Bruder Markus Pieper sind beide Imker und unterstützen ihn in Sachen Bienen.

Weitere Pläne & Ziele

Die blühenden Flächen möchte Bernd Pieper weiterhin vergrößern. Zudem plant er, eine Kräuterwiese von ca. 9000 m² dauerhaft auf seinem Grund anzulegen, die auch in Zukunft als ökologische Vorrangfläche erhalten bleiben soll. Außerdem ist die Umgestaltung weiterer Flächen geplant, um artenreiches Grünland zu erschaffen.

Zudem steht er in Kontakt mit Kindergärten, um den Kindern eine Besichtigung der Flächen und der Bienenstöcke zu ermöglichen. „Leider ist das aufgrund der Pandemie verschoben worden. Aber das Ziel ist es, die Kleinsten sehr früh für die Natur zu sensibilisieren“, so Bernd Pieper.

Im nächsten Jahr wird er außerdem regelmäßig mit Bild- und Filmmaterial über das Projekt auf der neuen Homepage sowie in den Social-Media-Kanälen berichten. 

Das Preisgeld soll teilweise in Saatgut investiert werden – alleine die Kosten des Saatguts für die Kräuterwiese beläuft sich auf ca. 3000 € . Außerdem möchte der #beebetter-Gewinner aus einer seiner Wiesen eine Streuobstwiese machen. „Es gibt so viel Gutes, was man mit dem Preisgeld noch realisieren kann. Aber in erster Linie geht es darum, die Flächengröße dauerhaft zu erhöhen, über Jahre hinweg.“

Bernd Pieper bei der Aussaat

Unser Tipp

Weitere Infos

Der Fotograf Michael Wessels betreibt die Facebookseite „Papenburg meine Stadt“ und berichtet dort unter anderem regelmäßig über Bernd Pieper und sein Projekt. Dort sind auch weitere beeindruckende Aufnahmen von den blühenden Flächen und der lebendigen Vielfalt zu sehen. 

Außerdem findet man das Projekt "Blühwiese-Pate - Gemeinsam zur Artenvielfalt" mit einem eigenen Kanal auf Facebook und auf InstagramWeitere Infos zur Blühwiesen-Patenschaft gibt es zudem auf der Homepage unter www.bluehwiese-pate.de, oder Sie melden sich direkt bei Bernd Pieper über [email protected]

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