Kurz & knackig

 „Mit meinem Papa und meinen Brüdern haben wir meiner Mama zu Weihnachten aus einem alten Kaugummiautomaten einen Saatgutautomaten gebaut, den wir seit Ostern in unserem Vorgarten stehen haben. Darin sind kleine Kugeln, die mit speziellem bienenfreundlichem Saatgut für mindestens einen Quadratmeter Wildbienenweide gefüllt sind“, erzählt Jonte Mai. Die Saatgutmischung enthält verschiedene Nutz- und Wildpflanzensamen und lässt sich für nur 50 Cent aus dem Automaten holen.

Zwar ist der Saatgutautomat ein Familienprojekt, doch Jonte übernimmt die Pflege des ungewöhnlichen Saatgut-Verteilers. Er kümmert sich um neues Saatgut, füllt regelmäßig die Kugeln sowie den Behälter auf und macht ordentlich Werbung. "Ich bin zum Beispiel durch unseren Stadtteil geradelt und habe Informationen in Läden ausgelegt, die über bienenfreundliches Gärtnern informieren“, erzählt er.

Da er im Frühling aufgrund von Corona nicht zur Schule musste, konnte er mit vielen Menschen reden, die sich bei der Findorffer Familie eine Kugel mit Saatgut gezogen haben. „Das ist total spannend gewesen. Es gibt viele, die Angst haben vor Bienen und darum nichts für sie anpflanzen wollen. Denen habe ich erzählt, dass die meisten Wildbienen gar nicht stechen können“, so der junge Bienenexperte. „Schön ist es auch, wenn ich manche der Käufer wieder treffe und die sich freuen, dass es bei Ihnen jetzt so schön wächst.“

Im Herbst füllt er die Kugeln anstelle von Samen mit kleinen Zwiebelblumen von Frühblühern, damit die ersten Wildbienen auch zeitig im nächsten Jahr Nahrung finden.

Für 50 Cent spuckt der recycelte Automat statt Kaugummis kleine Kugeln aus, die mit bienenfreundlichem Saatgut gefüllt sind

Beweggründe

Das Projekt „Naturschutz to go“ nahm seinen Anfang bei einem Spaziergang über einen Berliner Flohmarkt, wo es unter anderem einen alten Kaugummiautomaten zum Kauf gab, der Jonte und seiner Familie gut gefiel. Bald darauf kauften sie tatsächlich einen alten Automaten und bauten ihn so um, dass er nun keine Kaugummis, sondern eine Wildbienenweide zum Mitnehmen ausspuckt. „Mein Antrieb dafür war und ist, dass ich schon seit sieben Jahren imkere und die Bienen liebgewonnen habe. Seitdem tue ich so viel wie möglich für die Artenvielfalt.“ Schon seit einiger Zeit ist der 13-Jährige aktiv für „Fridays for Future“ und Vorsitzender vom Jugendbeirat im Bremer Stadtteil Horn-Lehe. „Ich möchte einfach die Menschen damit anstecken und vermitteln, dass es ganz wichtig ist, für unsere Zukunft zu kämpfen und die Natur zu schützen. Mein Ziel ist es zu zeigen, dass auch kleine Dinge schon etwas bewirken können.“

Beschreibung des Projekts

Der rot-leuchtende Saatgutautomat steht im bienenfreundlich bepflanzten Vorgarten der Familie Mai. Auf einer Auslage davor liegen informative Broschüren der „Stiftung Mensch und Umwelt“, die man kostenlos mitnehmen darf uns soll. Gefüllt wurden die Saatgut-Kugeln mit Samen von Beegut oder Bingenheimer Saatgut. „Vieles davon haben wir im Frühling auch selbst groß gezogen und was wir zu viel hatten, haben wir zum Verschenken auf einen Tisch vor die Tür gestellt“, erzählt Jonte.

Der junge Bienenschützer mit dem grünen Daumen pflanzt auch selbst gerne Bienenfutter an. Jungpflanzen, die im bienenfreundlichen Familiengarten keinen Platz mehr finden, stellt Jonte auf einen Tisch vor dem Haus, damit Passanten sie mitnehmen können 

Auf dem Dach der Familie summt und brummt es kräftig, denn dort leben fünf Bienenvölker, die Jonte schon seit sieben Jahren zusammen mit seinem Vater betreut. Der Honig der dabei abfällt ist in der ganzen Nachbarschaft des Bremer Stadtteils Findorff beliebt und könnte regionaler nicht sein. 

Auch im eigenen Garten ist der junge Bienenfreund und Naturschützer aktiv. Er hat ein eigenes Hochbeet mit Gemüse und setzt ansonsten auf wilde Natürlichkeit und – wie sollte es anders sein – auf ein bienenfreundliches Pflanzenangebot. Dazu gehören beispielsweise einjährige Arten wie Borretsch, Cosmea, Kornblume, Ringelblume und Malve. Auch an blühenden Stauden, Sträuchern und Bäumen fehlt es nicht, so finden sich auf dem Grundstück hinter dem Haus unter anderem ein Apfelbaum, Schmetterlingsflieder, Schneeball, Fetthenne, Fingerhut, Blutjohannisbeere, eine Kletterhortensie am Haus, Wein und ganz viel Efeu. Im Kräuterbeet dürfen verschiedene Thymian-Sorten, verschiedene Minzen, Curry, Salbei und Oregano zur Blüte kommen. Der Rasen wird nur in dem Bereich gemäht, der betreten wird und im ganzen Garten verteilt stehen mehrere Insektenhotels sowie selbstgebastelte Wasserschalen für durstige Brummer bereit.

Mit seinen Ideen und seinem Enthusiasmus hat Jonte bereits einige Nachbarn angesteckt. „Viele haben durch unseren Automaten anfangen wildbienenfreundliche Flächen und Ecken im Garten entstehen zu lassen und gemerkt, wie kunterbunt und schön das ist.“

Weitere Pläne & Ziele

„Es wäre toll, wenn ich viele andere motivieren könnte, auch Automaten zu bauen und aufzustellen. Und mal sehen, vielleicht schaffe ich es auch meine Lehrer zu überzeugen, einen Automaten vor unsere Schule aufzustellen. Und einen vor die meines kleinen und vor die meines älteren Bruders.“ Eine Lehrerin aus Osnabrück hat über Instagram bereits Kontakt mit dem engagierten Jugendlichen aufgenommen, da sie auch einen Saatgutautomaten vor ihrer Schule installieren möchte. „Eigentlich wäre es toll, wenn in jedem Stadtteil einer stehen könnte. Aber dafür fehlt mir leider das Geld. Dafür bräuchte ich halt Sponsoren“, meint Jonte und fährt fort: „Ich mache dafür schon echt viel Werbung, man soll ja nicht aufhören zu träumen und um seine Zukunft zu kämpfen.“ Außerdem, das sei ihm ganz wichtihg, wolle er mit dem Automaten kein Geschäft machen, sondern ein Geschäft für die Umwelt. Daher wird jeder Cent, den der Saatgutautomaten schluckt, wieder investiert.

Jonte mit seinen Brüdern Peeke und Mats (v.r.n.l.)

Für das Preisgeld, das die Findorffer Familie für die Auszeichnung mit dem #beebetter-Award 2020 erhält, hat Jonte auch schon Pläne: Die 1000 Euro sollen in die Herstellung weiterer Automaten fließen. „Die könnte man zum Beispiel in Schul-AGs, im Jugendzentrum vor Ort, im Klimacafé hier bei uns im Stadtteil, in Kindergärten oder so bauen und dann vor Schulen, Kitas, Kirchen, Freizeiteinrichtungen, Kleingartenvereinen, Buchläden und und und aufbauen.“ Auch für neues Saatgut, Blumenzwiebeln, Kapseln und für eine Holzverkleidung soll das Geld genutzt werden.

Unser Tipp

Weitere Infos

Wer mehr über Jonte Mai und den "Naturschgutz to go" erfahren möchte, kann ihm auf Instagram folgen, dort findet man ihn unter dem Nutzernamen @Saatgutautomat_Findorff. Auch auf der Facebook-Seite vom Saatgutautomat Findorff postet der junge Bienenschützer regelmäßig Neuigkeiten, Fotos oder Videos. 

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