Projektbeschreibung

Im Frühjahr 2019 wurde auf dem bereits vorhandenen und teils gärtnerisch gestalteten Schulhofgelände der Klütschule in Hameln ein Teil zum neuen Schulgarten erkoren. Auf einer Fläche von ca. 300 m² entstanden in einer großen Eltern-Lehrer-Kinder-Aktion eine Totholzhecke, 10 Klassenbeete und 2 weitere Beete mit Beerensträuchern. Außerdem begann der Bau eines Kräuterbeetes („Schiff“) sowie die Anlage einer Wildblumenwiese. In den darauffolgenden Monaten bepflanzten und pflegten zwei Garten-AGs mit jeweils 10 bis 15 Kindern den Schulgarten. Unterstützt durch Lehrkräfte, Eltern und pädagogische Mitarbeiter der Schule wuchs der Garten schnell zu einer blühenden Oase heran, die bereits in dieser Phase schon vielseitigen Anklang fand. 

Im Garten können die Kinder Schmetterlinge und andere Tiere mal aus der Nähe betrachten

Ein Schwerpunkt der Gartenarbeit war das Anliegen, den Kindern die Natur näher zu bringen und sie für Nachhaltigkeit und Artenschutz zu sensibilisieren. „Daher wollten wir im Rahmen der Schulmöglichkeiten einen Ort schaffen, der ihnen dies täglich ermöglicht. Unterstützt wurden wir in dieser Zeit von zwei Bufdis des NABU, welche die Garten-AGs wöchentlich begleiteten“, erzählt Stefanie de Boer, Lehrerin an der Klütschule in Hameln. Im Mittelpunkt standen von Beginn an die Insekten sowie weitere Kleinstlebewesen (Regenwürmer etc.). Daher war schnell klar, dass die geplante Wildblumenwiese größer ausfallen musste und dass das bereits vorhandene Insektenhotel ausgebaut und aufgewertet werden sollte. Auch auf den Gemüsebeeten der Klassen wurde das biologische Gärtnern von Anfang an betrieben und so zogen dort schnell neben den wachsenden Gemüsepflanzen auch bienenfreundliche Pflanzen mit ein. Gleichzeitig entstand im Rahmen des Ganztagsangebotes eine „Wintergarten-AG“, die Pflanzen für den Garten vorgezogen und bereitgestellt hat. Da die Pikierfreude der Kinder sehr groß war und die Pflanzen sich in so großer Zahl entwickelten, dass man damit noch zehn weitere Schulgärten hätte ausstatten können, wurden die übrigen Pflanzen an die Schulkinder und ihre Familien abgegeben.

Auch die Kita war bereits mit im Boot und pflanzte in eigenen Kübeln kräftig mit. Das Interesse der Schulgemeinschaft war geweckt. Die Kunst-AG gestaltete Holzscheiben mit Naturmotiven, die den Gartenzaun von da an verschönerten. „Der Bienen-Song „Wir tun was für die Bienen“ schallte des öfteren durch die Flure und mit Spannung wurde schulintern erstmals die Aufzucht von Marienkäfern und Distelfaltern durchgeführt. Ein faszinierendes und beeindruckendes Projekt für Groß und Klein, das die Wertschätzung der Insekten bei den Kindern enorm gesteigert hat“, erzählt die Lehrerin begeistert. Im Sommer freuten sich alle über die ertragreiche Ernte. Die Koch- & Back-AG nutzte das frische Obst und Gemüse. So wurden erstmals eigene Schulmarmeladen gekocht und die nächste Schulhofaktion im Herbst mit Gemüsesuppe und Apfelkuchen verschönert. Einige Pflanzen (z.B. Salate) hatten sich bereits selbst wieder versamt und die großen Sonnenblumen erfreuten alle bis in den späten Herbst hinein. 

„Auch in diesem Jahr starteten die AGs und Klassen wieder voller Vorfreude auf ein schönes Garten- & Insektenjahr und wurden dann leider durch die Schulschließungen im Rahmen der Corona-Pandemie etwas ausgebremst“, so Andreas Berger, pädagogischer Mitarbeiter der Schule. Trotzdem wurde der Garten nicht vernachlässigt: Fleißige Lehrkräfte und die Kinder der Notbetreuungsgruppen haben weiter gepflanzt und Weidenzäune als Begrenzung der wieder aufblühenden Wildwiese geflochten. Viele Pflanzen, die sich teils selbst ausgesamt hatten, brachten den Garten wieder zum Blühen und so manches Schulkind im Home-Schooling erreichte ein Gruß mit frischer Minze oder Zitronenmelisse vom Klassenbeet. 

Hintergrund

„An unserer Schule wurden in der Vergangenheit schon einige Projekte zur nachhaltigen Bildung angeboten, die immer mit viel Begeisterung durchgeführt wurden, z.B. im Rahmen einer Umwelt-AG oder Vogel-AG“, erzählt Andreas Berger, der diese Projekte leitete. „Mit den dabei entstandenen Dingen wurde aber oft lieblos umgegangen, teilweise wurden sie beschädigt oder zerstört, weil es sich immer um Aktionen einzelner Gruppen handelte und nicht von der gesamten Schulgemeinschaft getragen wurde. Ebenso wurden die vorhandenen Obstbäume beschädigt, das Obst eher zum Werfen und Ärgern genutzt, die heruntergefallenen Früchte waren Potential für Wespenstiche, was eher Unmut als Freude über diese brachte“, ergänzt Stefanie de Boer.

Natur erleben im Schulgarten an der Klütschule

Mit der Schaffung des Schulgartens wollte man die Situation ändern, etwas Nachhaltiges schaffen, das die Kinder sensibilisiert und ihnen Raum für Erfahrungen und Entdeckungen gibt. „Allein die Tatsache, dass das neue Schulgartengelände eingezäunt wurde und nicht mehr ohne weiteres zu betreten war, hat große Erfolge gezeigt. Plötzlich wurde alles dahinter sehr spannend. Die Kinder blieben stehen, guckten, fragten nach und übertrugen diesen Umgang auch auf die restlichen Schulhofbereiche“, erzählt die Lehrerin. Durch die zusätzliche Einbindung aller Klassen in Form von Klassenbeeten, Arbeitsgemeinschaften und durch die beaufsichtigte Öffnung des Schulgartens in den Pausen ist man dem Ziel bereits einen großen Schritt nähergekommen. „Es ist jetzt schon ein Wandel zu beobachten, wenn die Kinder nicht mehr vor den „gefährlichen Stechern“ wegrennen, sondern stehenbleiben, das schöne Gesumme und Gebrumme wahrnehmen und die vielen Bienen und Hummeln bei ihrem fleißigen Treiben beobachten.“ 

Den Schulgartenaufbau haben zwei Bufdis des NABU ein halbes Jahr lang intensiv begleitet und die Lehrer sowie die Kinder in den AGs sehr unterstützt. Bei den Schulhofaktionen kommt ein großer Teil der Schulgemeinschaft zusammen (ca. 40 Personen). In der Ferienzeit gibt es einzelne Familien, die das Projekt unterstützen und z.B. Gießzeiten übernehmen. Neu in diesem Jahr ist die Unterstützung der Bingo-Stiftung, die fünf Lehr- & Infotafeln sowie die Gestaltung eines Barfußpfades finanziert. Sowohl der Förderverein der Schule als auch der Schulträger stehen voll hinter diesem Projekt. 

Neueste Entwicklungen

Dieses Jahr ging es um die Ausweitung des Gartens als Lernort durch die Installation von Lehr- & Infotafeln, die den Kindern die Möglichkeit bieten, sich nach eigenem Interesse und selbstständig zu informieren. Ebenfalls geplant ist auf dem Schulhofgelände ein Barfußpfad. Beide Projekte werden von der Bingo-Stiftung unterstützt. 

Weitere Pläne & Ziele

Ideen gibt es viele: So ist u.a. eine Erweiterung des Schulgartengeländes sowie die Schaffung von weiteren Nistmöglichkeiten für Bienen und Hummeln geplant. Außerdem basteln die Kinder bereits an Samentütchen für selbst gesammelte Blumensamen, die sie den neuen Erstklässlern zur Einschulung schenken möchten. 

„Ziel ist es zunächst einmal, unser Projekt so weiterzuführen und den Schulgarten weiterhin als festen Bestandteil in unser Schulleben zu integrieren. Dabei stehen der Schutz von Natur und Nachhaltigkeit ganz vorne. Die Kinder in diesen Bereichen weiter zu sensibilisieren und zu begeistern ist unser oberstes Ziel“, so die Projektleiter.

„Im Bereich Wildbienenförderung würden wir sehr gerne unser Insektenhotel weiter ausbauen und Aktionen mit den Kindern anbieten, bei denen sie einfache Nisthilfen bauen und diese dann mit nach Hause nehmen oder weitere Nistmöglichkeiten im Schulgarten schaffen können. Dafür planen wir unter anderem auch die Erweiterung des Schulgartens um 100 m², da in diesem Bereich ein Spielgerät abgängig und der Bereich neu zu gestalten ist.“

Den Bereich der Wildwiese möchte man weiter nutzen und pflegen, darüber hinaus ähnliche Bereiche auf dem Schulhofgelände anlegen. Für das Insektenhotel schweben den Bienenhelfern der Ausbau und weitere Möglichkeiten der Anschauung zum Verständnis der Entwicklung und des Nistverhaltens der Biene vor (z.B. Modelle, Einsicht in Niströhrchen), die auch im Unterricht eingesetzt werden können. Weiterhin steht die Aufklärung über Bienen und andere Insekten im Fokus, um Ängste zu nehmen und Bienenfreundlichkeit zu fördern (z.B. durch die Verteilung von Samentütchen aus selbst gesammelten Wildblumensamen). „Auf dem neuen Gelände wünschen wir uns weitere Nistmöglichkeiten in Form von Erd- und Sandhügeln oder Hummelkästen. Denkbar wären für uns auch Bereiche mit Steinhaufen, Käferkeller oder eine Lehmwand.“ 

Unser Tipp

Weitere Infos

Auf der Homepage der Klütschule findet man unter "Schulleben" weitere Informationen zum Schulprojekt sowie Berichte und Bilder von vergangenen Aktionen.

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