Projektbeschreibung

Seit mehr als drei Jahren Einsatz setzt sich Familie Brödel für Wildbienen in Wilgartswiesen in der Südwestpfalz ein. Durch öffentlich zugängliche Informationstafeln, Vorträge und Führungen für Kindergarten, Schule und andere Unternehmen informiert sie über die Lebensweise der Insekten, über mögliche Schutzmaßnahmen sowie über Zusammenhänge, Ursachen und Folgen. Die Familie betreibt einen Holzfachhandel in Wilgartswiesen, der sich in der Nähe des Premiumwanderwegs „Wilgartswieser Biosphärenpfad“ befindet. Auf dem frei zugänglichen Firmengelände haben die Brödels in Eigeninitiative ein Biotop für Insekten angelegt und informative Tafeln aufgestellt. 

Die Beweggründe von Christina Brödel und ihrer Familie sind vielfältig. Zum einen ist ihr Interesse an Wildbienen, Artenvielfalt und Naturschutzthemen sehr groß. Zum anderen möchten sie dem dramatischen Rückgang der Wildbienen entgegenwirken, indem sie andere Menschen informieren, sensibilisieren und motivieren, ebenfalls etwas zu unternehmen.

Stand der Dinge

Zur Zeit wartet Christina Brödel auf eine Lieferung von 35 Obstbäumen aus der Baumschule. Diese sollen die Fläche ihrer Streuobstwiese ergänzen und erweitern. Hierfür hat Familie Brödel schon fleißig Pflanzlöcher gebuddelt und sind bereit für die große Pflanzaktion. Anfang Dezember hält die Wildbienenbotschafterin den letzten Vortrag dieses Jahres über "Artenvielfalt im eigenen Garten". Über die Winterzeit werden Nisthilfen gebaut, Bilder für Vorträge gesichtet und Vorträge vorbereitet, sodass es im Februar mit dem ersten Informationsabend bei einem Obst- und Gartenbauverein weitergehen kann.

So gehts weiter

Wodurch zeichnet sich das Projekt "Wilgartswieser Wildbiene Päddel" aus?

Wir haben vor ein paar Jahren ein Grundstück in Waldrandlage gekauft. Hier entstand eine ökologisch wertvolle Streuobstwiese. Die 15 000m² große Fläche haben wir natürlich abgemagert. Mit den Wildpflanzen kamen auch die Insekten hierher. Heute brummt und summt und flattert es. Außerdem konnten wir hier schon Rehe, Rotwild, Wildschweine und eine Feldhasenfamilie beobachten. Nachdem das so gut funktioniert hat, haben wir auch die Flächen unserer Firma abgemagert. Das bedeutet wir mähen nur nach Bedarf. Zum Verständnis und als Erklärung und Information für unsere Mitmenschen haben wir das Wilgartswieser Wildbiene-Päddel angelegt. Hier gibt es vier ansprechend gestaltete Informationstafeln, verschiedene Nisthilfen und insektenfreundliche Pflanzen. Darüber hinaus haben wir schon mehrere Projekte mit Schulen und Kindertagesstätten gemacht und organisieren Vorträge über Wildbienen und Artenvielfalt ganz allgemein. Durch die Fortbildung als Wildbienenbotschafterin konnte ich auch schon Firmen über die Anlage von Blühflächen oder die Umgestaltung zu einem insektenfreundlichen Firmengelände beraten. Insgesamt betreuen wir im Familienverbund 26700 m² (Streuobstwiese 15000 m², Firmengelände 10000 m², Bienen-Päddel 300 m², Rest neuer Garten). Ganz neu haben wir 2019 noch eine Gartenfläche dazugekauft, die in einen insektenfreundlichen Naturgarten verwandelt werden soll. 

Was hat sich seit ihrer Bewerbung bei #beebetter getan?

Seit der Bewerbung hat sich bei uns sehr viel verändert. Kurz nach der Bewerbung ist mein Mann krankheitsbedingt ausgefallen, dadurch wurde unser ökologisches Engagement ein wenig gebremst. Vieles was wir über den Sommer bewegen und erreichen wollten, gelang nur in vielen kleinen Schritten. Aber diese kleinen Schritte gelangen uns und wir konnten einen Teil unserer neuen Gartenfläche in einen Nutzgarten umwandeln. Im Oktober haben wir die Grundlagen für ein Magerbeet geschaffen, im November wollen wir die Streuobstwiese mit 35 Obstbäumen erweitern. Parallel dazu habe ich im September eine Fortbildung als BUND-Wildbienenbotschafterin abgeschlossen, bei der ich mein Wissen vertiefen konnte. Hier fand ich viele Gleichgesinnte und weitere Motivation.

Wie haben die Menschen in ihrem Umfeld auf die Auszeichnung durch #beebetter reagiert?

Kurz vor der Preisverleihung von Beebetter war in unserer Tageszeitung ein großer Bericht über mich als Wildbienenbotschaterin. Danach ist einiges "über mich hereingebrochen". Beinahe täglich klingelte das Telefon, Menschen wollten Informationen und Hilfestellung, wünschten sich Gartenführungen. Unsere Verbandsgemeinde trat mit dem Wunsch nach ökologischen Gästeführungen, wie zum Beispiel einen Ausflug zu Mauerbienen, an mich heran, Obst- und Gartenbauvereine und Imkervereine meldeten sich bei mir mit dem Wunsch nach Vorträgen. Ganz aktuell habe ich eine Anfrage des Biosphärenreservates Pfälzerwald-Nordvogesen, ob ich grenzüberschreitende deutsch-französische Wildbienenprojekte durchführen könnte. Dies ehrt mich sehr und ich sehe wie notwendig und wie groß der Wunsch nach Informationen ist. Andererseits überschreitet es fast meine Kräfte, dies alles ehrenamtlich zu leisten. Vor diesem Hintergrund habe ich die Nachricht über die Platzierung bei #beebetter noch etwas zurückgehalten. 

Als einer der Gewinner der Kategorie "Private Initiativen und Engagement" erhalten Sie ein zweckgebundenes Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro. Wie werden Sie das Preisgeld einsetzen?

Wir haben dieses Jahr eine weitere Fläche gekauft, die wir in einen insektenfreundlichen Naturgarten umgestalten wollen. Da diese Fläche bislang nur ein "Hundeklo" mit stark wurzelnden Ackerunkräutern war, mussten zunächst grobe Strukturen geschaffen werden. Dies ist uns schon ein Stück weit gelungen. In den letzten warmen Oktobertagen haben wir die Voraussetzungen für ein Magerbeet mit Totholzelementen geschaffen. Hier sollen im Frühjahr einheimische Pflanzen gesetzt werden, die für (Wild)-Bienen und andere Insekten wertvoll sind. Hierhin soll auch ein Teil des Preisgeldes fließen. Da wir unsere Streuobstwiese noch erweitern wollen, wird auch ein Teil des Preisgeldes in Obstbäume, Gehölze und eine weitere Nisthilfe investiert. Schlussendlich habe ich sehr viele Anfragen nach Schulungen, ökologischen Gästeführungen und Workshops. Hier will ich einen Teil des Preisgeldes für weitere Informationsmaterialien einsetzen. Auch Vorträge von externen Referenten sind geplant. Eventuell wird auch hierfür ein Teil des Preisgeldes verwendet

Was erhoffen sie sich für ihr Projekt und den Bienenschutz in der Zukunft?

Mehr Akzeptanz - mehr Aufklärung - mehr Wertschätzung. Tatsächlich hat sich in den letzten beiden Jahren schon sehr viel getan. Die Menschen müssen lernen, dass "schön nicht immer wertvoll ist" und eben auch "wilde Ecken" im Garten oder in der Kommune akzeptieren. Es müsste viel mehr Initiativen wie #beebetter geben, damit dieses Thema noch mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Ich freue mich sehr, dass diese wichtigen Themen inzwischen auch in vielen Medien angekommen ist. Andererseits habe ich oft das Gefühl, die Menschen lesen diese Artikel und sind auch betroffen, können aber den Inhalt nicht für ihre Umgebung und ihren eigenen Garten umsetzen. Es wird mehr Aufklärung und Information vor Ort, insbesondere auch bei den Kommunen benötigt. Allerdings weiß ich für meinen Teil nicht, wie das Ehrenamtlich von Einzelnen geleistet werden kann. Ich habe auch schon Projekte mit Kindergärten und Schulen durchgeführt, hier müssen bereits die Grundlagen gelegt werden. 

Insgesamt wünsche ich mir für den Bienenschutz natürlich eine nachhaltigere Landwirtschaft sowie ein Verbot von chemischen Unkrautvernichtern für Privatpersonen, eine Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln und ein Verbot von Neonicotinoiden. Alles zusammen funktioniert jedoch nur, wenn der Verbraucher den Landwirten auch eine höhere Wertschätzung entgegenbringt und bereit ist, entsprechende Preise für nachhaltig produzierte Lebensmittel zu entrichten. 

Weitere Infos

Wildbienen und Naturschutz in der Südwestpfalz

Weitere Informationen zur Bienenbotschafterin und ihren Projekten finden sie auf der Facebookseite von Christina Brödel.

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