Projektbeschreibung

Das Schulbiologiezentrum Hannover ist ein regionales Umweltbildungszentrum und ein außerschulischer Lernort BNE (Bildung für Nachhaltige Entwicklung). Neben einer naturwissenschaftlichen Grundbildung umfassen die Kernthemen die Bereiche Gesundheit, Ernährung, Klima, Energie, Ressourcen und Biodiversität auf der Basis einer Bildung für nachhaltige Entwicklung und globales Lernen.

Den Bereich der Bienenpädagogik gibt es seit rund 70 Jahren. Er war früher stark auf die Bedeutung und die Biologie der Honigbiene ausgelegt. Das Projekt „Wildbienen und Schulbienen“ in der Form wie es sich jetzt darstellt, hat sich seit ca. 2012 entwickelt. „Es wandelt sich, es wird erneuert, vertieft, Neues kommt hinzu, alte Unterrichtssequenzen werden angepasst, verändert oder ersetzt, die Wildbienen rücken immer mehr in den Fokus“, so Dr. Regine Leo.

Durch verschiedene Vermittlungsansätze wie Kurs-Unterricht, Lehrerfortbildungen, Veranstaltungen oder Workshops sollen unterschiedlichste Zielgruppen über die Bedeutung der (Wild-)Bienen informiert werden und lernen, was man zu ihrem Schutz beitragen kann. Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und sie für den Artenschutz zu sensibilisieren.

Die Herangehensweisen an das Thema Bienen und Insekten sind abwechslungsreich, aber immer praxisnah und im Sinne einer Bildung für Nachhaltigkeit (BNE = Bildung für nachhaltige Entwicklung). „Wir erarbeiten zum Bespiel ganz konkret an einem Warenkorb mit gesammelten leeren Verpackungen, was übrigbliebe, wenn es keine Bestäuberinsekten mehr gäbe. Dann überlegen gemeinsam, welche Verhaltensmaßnahmen und -änderungen nötig sind, um unsere einheimischen Insekten zu schützen und so langfristig auch unsere eigene Nahrung zu sichern.“

Angebote

Bei Streifzügen über das Gelände des Schulbiologiezentrums werden Bereiche gesucht, an denen Wildbienen genug Nahrung sowie Nistplätze finden und sich ansiedeln könnten. Der Vergleich mit den gerade modernen „Schottergärten“ verdeutlicht schließlich die Unterschiede zum bienenfreundlichen Garten.

Die Schüler und Schülerinnen können aber auch Bestäuberinsekten wie Bienen, Schwebfliegen, Käfer und Schmetterlinge fangen, um sie zu bestimmen. Am Ende des „Bienenunterrichts“ steht meistens ein Blick auf das Honigbienenvolk, inklusive Bienen-Streicheln und Honigverkostung direkt aus der Wabe.

Seit zwei Jahren findet für Grundschulen zum Weltbienentag am 20. Mai ein Fotowettbewerb zum Thema (Wild-)Bienen statt. Außerdem gibt es Praxiskurse für den Bau von Nisthilfen sowie Schulungen für Lehrkräfte zur Biologie und Ökologie von Wildbienen und deren Trachtpflanzen.

„Unsere sehr versierte Gartenbauerin schult Lehrkräfte in Schulgartenarbeit und berät bei Beet- und Blühflächengestaltung. Und unsere Staudengärtnerei liefert die insektenfreundlichen Pflanzen für die Schulgärten und Schulgelände der Stadt und Region Hannover“, so die Leiterin.

„Im Rahmen unseres Projekts „Schulbienen“ stellen wir in Lehrerfortbildungen das saisonale Angebot zur Haltung von Bienen in Schulen vor. Dieses saisonale Angebot der „Schulbienenvölker“, die in speziellen Beuten, „Schülerkisten“ genannt, von Mai bis zu den Sommerferien an die Bienen AGs der Schulen verliehen werden, ist ein großer Erfolg“, erzählt Dr. Regine Leo. Viele Schulen bieten mittlerweile mit großem Zuspruch und Zulauf Bienen- bzw. Imker AGs an. Aufgrund der hohen Nachfrage und des Erfolgs ist das Schulbiologiezentrum 2019 eine Kooperation mit den Hannoverschen Werkstätten eingegangen. Diese bilden und liefern in Auftragsarbeit Kunstschwärme an die Schulen aus. Für die Lehrkräfte der Bienen AGs werden zusätzlich Material und Handreichungen entwickelt.

„Letztes Jahr ist unser Artikel „Wildbienen – mehr als Dienstleister im Ökosystem“ im Heft „Sachunterricht Grundschule“ aus dem Friedrich Verlag erschienen, mit Praxistipps für den Sachunterricht zum Schutz von Wildbienen.“

Auf dem Gelände des Schulbiologiezentrums finden während der Schulzeit immer sonntags anderthalbstündige Veranstaltungen für die breite Öffentlichkeit (in erste Linie Familien) statt, die sie für Natur und Umwelt sensibilisieren. Dabei sind auch regelmäßig Mitmachaktionen zu (Wild-)Bienen, z.B. Nisthilfen basteln, Blick ins Honigbienenvolk, Wildbienen und ihre Futterpflanzen u.v.m.

Alle zwei Jahre findet im Schulbiologiezentrum Hannover auch das Umweltforum statt, das eine überregionale Plattform für über 100 Akteure aus den Bereichen Umweltbildung, Natur- und Artenschutz sowie Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Seit ca. zwei Jahren gibt Jakob Grabow-Klucken vom BUND Niedersachsen Bestimmungskurse im Bienenhaus. Auch der Imkerverein Hannover Süd hat das Bienenhaus seit einigen Jahren als Austragungsort für seine Imkergrundkurse gewählt. Die angehenden Imker werden dort in einem Kurs auch zur Wildbiene (Biologie, Ökologie der solitären Wildbienen im Vergleich zur staatenbildenden Honigbiene) geschult.

„Das neueste Projekt, das die Palette enorm bereichert, ist der digitale Bienenstock „we4bee“, der im Rahmen eines Citizen Science Projekts der Universität Würzburg unter Leitung von Professor Jürgen Tautz seit April auf dem Bienenstand steht“, erzählt die engagierte Schulleiterin. 

Schulungen in (Wild)Bienenpädagogik

„Seit 2019 ist unser Kooperationspartner, die Hannoversche Werkstätten, mit dabei und wir haben Großes vor: Aus der Bereitstellung der Kunstschwärme für die „Schülerbienen“ ist jetzt ein Projekt entstanden, das von Aktion Mensch gefördert wird. Darin übernimmt das Schulbiologiezentrum die Schulung interessierter Beschäftigter der Hannoverschen Werkstätten in (Wild)Bienenpädagogik und diese Beschäftigten bieten dann an Schulen für die Imker und Bienen AGs Workshops für Wildbienen-Nisthilfenbau und Futterplanzen an und bauen ihre eigene Imkerei auf.“ 

Das Gelände des Schulbiologiezentrums

Die Gesamtfläche des Geländes beläuft sich auf 13 ha, dazu gehören Wiesen, Obstwiese, Gemüsegarten und eine Staudengärtnerei. In der Staudengärtnerei mit Ausbildungsbetrieb werden ca. 600 verschiedene Arten und Sorten an Stauden für die hannoverschen Schulgärten und Schulgelände (z.B. für Unterrichtszwecke und für Bienen AGs) produziert. Es gibt eine umfangreiche Staudenliste, in der markiert ist, ob es sich bei den vorhandenen Pflanzen um insektenfreundliche Stauden handelt und für welchen Bestäuber die Pflanzen geeignet sind (z.B. für Schmetterlinge oder Wildbienen).

Das Gelände verfügt über einen naturbelassenen Wald mit typischem Stockwerkbau. Alle Gehölze in der Strauchschicht sind endemisch und Nährgehölz verschiedenster Art (Insekten, Vögel, Säuger), z.B. Holunder, Kornelkirsche, Traubenkirsche, Hasel, Eberesche, Speierling, Schlehe, Weißdorn u.v.m. Weitere insektenrelevante Arten finden sich im Arboretum mit ca. 200 Baum- und Straucharten (z.B. Gewöhnlicher Trompetenbaum, Schmalblättrige Ölweide, Amerikanische Gleditschie, Japanischer Pagodenbaum, Samthaarige Stinkesche).

„Zu Schulungszwecken haben wir 2019 von Rieger-Hoffman die Saatgutmischung „Regionalmischung Nord 10: Wärmeliebender Saum“ ausgesät. Diese Mischung enthält überwiegend insektenfreundliche Pflanzenarten, wie z.B. Sanguisorbaarten, Salbeiarten und Knautia.“ Darüber hinaus gibt es fünf große Wiesen mit unterschiedlichen Standortverhältnissen (zwei Sonnenwiesen, einen Kalkhügel, einen Halbtrockenrasen und eine Waldwiese/Feuchtwiese), die mit dort natürlich vorkommenden Pflanzen besiedelt sind.Im eigenen Gemüsegarten für den Grundschulbereich befindet sich eine große Kräuterspirale mit allerlei Kräuterstauden, die z.T. in Blüte gehen, um den Schülern den Zusammenhang zwischen Blüte, Saatgutgewinnung und Bedeutung für Insekten zu verdeutlichen. Außerdem gibt es drei große Trockenmauerhochbeete mit einer großen Zahl von Lippenblütlern und anderen insektenrelevanten Pflanzen. 

Nistmöglichkeiten für Wildbienen

Es gibt eine große Wildbienenwand mit einer lebendigen Ausstellung unterschiedlicher Nistmöglichkeiten: marklose, markhaltige Stängel verschiedener Pflanzenarten, Nisthilfen aus frisch geschnittenem Bambus und Pappröhren, Holzblöcke mit Bohrungen verschiedener Durchmesser ins Stirnholz, Hartholzblöcke, Totholz ohne Bohrungen zur Primärbesiedlung von z.B. der Dunklen Holzbiene, kleine Lehmwände in Kastenform für Nistmaterial und zur Besiedlung. Zusätzlich findet man aber auch eine Ausstellung von Negativ-Beispielen für die didaktische Arbeit beim Thema Artenschutz. Auf dem Gelände an verschiedenen Stellen gibt es für Wildbienen darüber hinaus auch wuchsfreie Sandflächen und Böschungen. 

Hintergrund

„Die Bienenpädagogik ist ein fließender Prozess, der sich ausrichtet an den Bedürfnissen der Kinder und der Lehrkräfte, die zu uns kommen. Erfolge sind nicht in erster Linie die Veranstaltungen und Fortbildungen, die wir bisher zum Thema (Wild)Bienen erfolgreich durchgeführt haben, sondern hoffentlich die Kinder, die wir mit unserem Unterricht erreichen konnten“, sagt Dr. Regine Leo.

Lag der Fokus in den 1990er Jahren beim Bienenunterricht eher auf der klassischen Wissensvermittlung, so reagieren wir heute auf die sich ändernden Unterrichtsbedingungen in außerschulischen Lernorten. Die Kinder von heute haben kaum noch Naturkontakt und wenn, ist er geprägt von Angst und Misstrauen. Dem zu begegnen und für den Erhalt der Natur zu sensibilisieren ist heute das Kernanliegen in der Bienenpädagogik des Schulbiologiezentrums. „Die Natur braucht uns nicht – aber wir Menschen brauchen die Natur“, das ist der pädagogische Schwerpunkt der (Wild)Bienenkurse.

Das Ziel ist es, den Kindern einen Einstieg in ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Denken und Handeln zu ermöglichen. Viele der Grundschulkinder sind zum ersten Mal raus aus ihrem Stadtteil und zum ersten Mal auf einer Blühwiese mit ganz vielen Insekten, die dort herumsummen und –schwirren. In den bienenpädagogischen Kursen geht es daher vornehmlich darum, ihnen einen Zugang zur Natur zu bieten und sie für den Erhalt der Artenvielfalt sensibel zu machen. Ganz nebenbei wird biologisches und ökologisches Basiswissen zu Bestäuberinsekten und Insekten allgemein vermittelt.  „Wenn ich in glänzende Augen während des Unterrichts schaue und Kinder beobachte, wie sie völlig selbstvergessen Bienen streicheln, dann habe ich alles richtig gemacht“, sagt Lehrerin Heike Uphoff. 

Am Ende des Unterrichts darf man sogar Bienen streicheln

Weitere Pläne & Ziele

„Wir möchten uns neben unserem Engagement für das Thema im schulischen Bereich noch stärker auf die allgemeine Öffentlichkeit konzentrieren. Obwohl es einen starken Rückgang der Artenvielfalt im Bereich der Insekten gibt, sind die Insekten nicht mehr Teil des Curriculums in der Schule – dem wollen wir begegnen, indem wir das Thema Insekten wieder ins Bewusstsein der Menschen holen –und zwar nicht als Plagegeister und Ekeltiere, sondern als Grundlage unserer Nahrungsvielfalt und als Basis der Nahrungskette in fast allen Ökosystemen“, so die Schulleiterin.

Das Ziel ist die Verankerung des Themas Bestäuberinsekten am Beispiel der (Wild)Bienen in der frühkindlichen Bildung von KiTa und Grundschule genauso wie als Facharbeitsthema in der Ober-stufe. Darüber hinaus ist die Schulung der Lehrkräfte als Multiplikatoren ein fundamentales Element zur Wiederbelebung des Themas in der Schullandschaft.“ Als weiteren großen Bereich sehen wir die Entwicklung von Handlungskonzepten auf unserm Gelände, um die breite Öffentlichkeit über Mitmachaktionen, Workshops oder Foren zu erreichen, beispielsweise durch Pflegeworkshops und die Anlage von naturnahen Staudenbeeten für unterschiedliche Standortbedingungen, Workshops über Wildbienen und auch über die eigenen Möglichkeiten, zum Schutz beizutragen.“ Dazu gehöre ein nachhaltigerer Lebensstil im eigenen Alltag genauso wie z.B. die Anlage von Blühwiesen. „Die Menschen sollen Handlungs- und Gestaltungskompetenz erwerben, denn ohne das nötige Wissen kann man z.B. im Baumarkt die geeigneten nicht von den vielen ungeeigneten Nisthilfen unterscheiden. Wir sind der Meinung, nur so kann man langfristig der Naturentfremdung entgegenwirken und Respekt der Natur und Umwelt gegenüber aufbauen.„

Das Preisgeld soll in die Umsetzung der Handlungskonzepte für die breite Öffentlichkeit auf dem Gelände des Schulbiologiezentrums fließen. Dazu gehört neben der Weiterentwicklung und Durchführung von Workshops, Kursen, Fortbildungen und Mitmachaktionen das praktische Anschauungsobjekt:

  • Erneuerung der Wildbienenwand, damit wir wirklich alle Nistbereiche an einer Stelle zeigen können - Anlegen von zwei Parzellen/Gegensatzbeispielen „Sterbenslangweilig“ und „Schlaraffenland bunt“: Schotter/Mulch/Pampasgras-Beet vs. naturnahes Beet und Golfrasen vs. Kräuterrasen
  •  Anlegen von drei optisch attraktiven Beeten mit insektenfreundlichen Stauden für
  • a) Sonnenbeet, b) Halbschattenbeet und c) Schattenbeet 
  • Begleitend dazu Veröffentlichen von dem im SBZH entwickelten didaktischen Informationsmaterial: „Bienen - AG Skript“ (Lehrermaterial zur Durchführung von Bienen-AGs in der Schule) 
Unser Tipp

Mehr erfahren

Das Schulbiologiezentrum gliedert sich in fünf Abteilungen: Den botanischer Schulgarten Burg (gleichzeitig Zentrum der Einrichtung), die Freiluftschule Burg, den botanischer Schulgarten Linden, das Energie-LAB und das LifeScience Lab Hannover. Die Themen sind neben einer naturwissenschaftlichen Grundbildung die Kernthemen der Gesellschaft wie (zurzeit) Gesundheit, Ernährung, Klima, Energie, Ressourcen und Biodiversität auf der Basis einer Bildung für nachhaltige Entwicklung und globales Lernen. Auf der Homepage des Schulbiologiezentrums finden Sie weitere Informationen sowie Angaben über Aktionen und Kursangebote. Die breite Palette an Material steht auf der Homepage zum Download zur Verfügung.

Weitere Infos zu den Schulbienen finden Sie unter www.schulbienen-hannover.de

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